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4. Advent-Abends hui! Morgens pfui!

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Veröffentlicht von NagelTante in Ein Gruß · 20 Dezember 2020
Tags: ©AngelinadeSatura|http://kurzgeschichtenverlag.de

Kinderfreie Zone bis zum nÀchsten Abend! Sturmfreie Bude aufgerÀumt.
Fertig machen fĂŒr den lĂ€ngst fĂ€lligen Singleausgang.

Zuerst, trotz Schmerz, buschige Augenbrauen zupfen. Den letzten Rest Enthaarungspaste ausquetschen, zwischen Mund und Nase verteilen. Die fĂŒnf Minuten Wirkungsdauer nicht vergessen. Nach lĂ€ngst ĂŒberzogener Zeit das ganze abspĂŒlen. Hoffen, dass die ĂŒberreizte Stelle nicht ewig leuchtet. Inzwischen mit dem Nassrasierer meines Teenagers, da mein Ladyshave keine Klinge mehr hat, Bikini-Zone abgrenzen. Nach einem Augenblick des Zögerns natĂŒrliches VerhĂŒtungsmittel "haarige Beine" ebenfalls mit diesem Folterinstrument vernichten. Toilettenpapierfetzen auf den frischen Schnittwunden drĂŒcken, warten bis es aufhört zu bluten.

Duschen, abtrocknen. Vierlage Schnipseln erneut gebrauchen, bis das nasse Rot nicht mehr fließt. Irrer Schmerz durch Deo auf frisch rasierten Achseln ĂŒberwinden! Zum neulich 47-JĂ€hrigen, Körperlotiongeschenk großzĂŒgig anwenden. Das verursachte Brennen in den zukĂŒnftigen Beinnarben ignorieren, diesmal Pflaster benutzen. Ins Schlafzimmer humpeln. Garderobe, von edler UnterwĂ€sche bis zu passendem Accessoire, ordentlich zusammenstellen. Erstmalig in einen Tanga schlĂŒpfen, das fremde GefĂŒhl akzeptieren. Einzigen "Push up" BH aus der Original-Verpackung entnehmen, Brust reinstopfen.

Armloses T-Shirt darĂŒber. Nach erfolgreichem EinzwĂ€ngen in der irrtĂŒmlich maschinengetrockneten Jeans GĂŒrtel anlegen. Hinsetzen, versuchen, trotz DruckgefĂŒhl im Bauchbereich, Halbsocken anzuziehen. FĂŒĂŸe in die Schuhe stecken, SchnĂŒrsenkeln festbinden. Aufstehen, Ende des SchwindelgefĂŒhls abwarten, Zimmer wechseln. Schaumfestiger in großen Klecksen verteilen. Mit Fön und BĂŒrste formen. Jede einzelne StrĂ€hne mit Haargel zur GesamtfĂŒlle modellieren. Durch Haarspray fixieren. Festbeleuchtung einschalten, mit Abdeckstift Fassade grundieren, Augenlider bemalen. Tusche wiederholt benutzen, bis dichte Wimpern entstehen. Mit Lippenstift Wange und Mund verzieren. Ein paar Tropfen Parfum benutzen, rĂ€tseln, warum das volle ProbeflĂ€schchen auf einmal leer ist. Gesamtbild vor dem großen Spiegel begutachten. Über plötzlich knackigem Po in der toll geschnittenen Hose und fremde stramme BrĂŒste staunen. FĂŒr Handy, Zigaretten, Feuerzeug, Tempos, Lippen- plus Abdeckstift, Parfum, Kaugummi, SchlĂŒsseln, Geld und Kondom, in der kleinen Handtasche Platz finden. Raus aus der TĂŒr, rein ins Nachtleben.

PÀrchen meiner Altersklasse wirbelten an mir vorbei. Ein Àlterer Herr forderte mich auf, obwohl ich ihn gewarnt hatte, diesen Tanz nicht mehr zu beherrschen.

WĂ€hrend ich mich auf seine FĂŒĂŸe konzentrierte, fragte er: "Zum ersten Mal hier?"

Rechts zurĂŒck, wieder vor.

"Ja" Habe schon wieder einen Schritt vergessen.

"Lange her mit dem Tanzen?"

Wieso klammert er mich so fest?

"Und ob!" Es artet schon als Freiheitsberaubung aus.

"Wegen der Familie?"

Ich stolpere verlegen.

"Ja!" Lied zu Ende.

Er brachte mich galant zu meinem Platz zurĂŒck, bedankte sich und wĂ€hlte eine andere Partnerin aus. Um nicht mehr aufgefordert zu werden, mied ich sĂ€mtlichen MĂ€nnerblicke. Ein Bierbauchschatten mit Gleichgewichtproblemen und Igelfrisur huschte stĂ€ndig in meiner NĂ€he, bis er sich frontal vor meinem Blinkwinkel stellte. Ich ĂŒbersah ihn erfolgreich. Endlich Freestyle Dancing. Ich stĂŒrzte mich in die Menge, ergatterte mir einen Platz zwischen TanzflĂ€che und Zuschauern. Ich bewegte mich wild erotisch im Rhythmus des Potpourri-Mix von Bonney M. Danach setzte ich mich auf einen freien Hocker und bestellte noch ein stilles Wasser. Ich erschrak, als ein Feuerzeug, auf grĂ¶ĂŸte Flamme eingestellt, mich kurz blendete. Ein Gesicht mit schelmischem LĂ€cheln, frechem Blick und Lockenkopf gab sich zu erkennen. Dieser sĂŒdlĂ€ndliche Typ hatte meine ganze Aufmerksamkeit. Er verschwand wieder. Keine Ahnung, was das sein sollte.

Er tauchte spÀter wieder auf und sprach mich in meiner Muttersprache an: " Ich muss unbedingt mit dir tanzen!", forderte der wohlriechende Franzose.

"Ich kann leider keinen Foxtrott", erwiderte ich dem attraktiven Mann.

"Darf ich dich zu einem Bier einladen?", wĂ€hrend er meine Schulter sanft berĂŒhrte.

"Ich trinke keinen Alkohol!", antwortete ich meinem intimen Traum.

"Ich will dich aber unbedingt kennenlernen!", bestĂ€tigte mir dieser Prinz meiner SehnsĂŒchte.

Ich bin hoffnungsvoll interessiert! Vollbildmodus seines Gesichtes. Mein Gott! Er ist mindestens zwanzig Jahre jĂŒnger als ich. Hat denn dieser Kerl keine Augen im Kopf? Er hatte mich doch eben mit seinem Feuer erkundet! Ist ihm nicht aufgefallen, dass ich eine optische TĂ€uschung darstelle?

"Ich möchte aber keine Bekanntschaften machen!", antwortete ich verbittert.

Mit enttÀuschtem Blick und hilfloses Achselzucken verschwand er aus meinem Leben.

Zuhause entledigte ich mich meiner Klamotten. Mein Busen plumpste vom obersten Stockwerk in den Keller. Mein Bauch wölbte sich mit Erleichterung in seinem ursprĂŒnglichen Zustand. Den Tanga, welcher mich wund gescheuert hatte, tauschte ich mit einer Baumwollunterhose und streifte mir einen XXL Unterhemd ĂŒber. Nachdem ich fĂŒnf Pflaster an meine unvollkommen enthaarten Beine durch schmerzlichen Ruck abzog, ging ich ins Bett. Dort schaltete ich wie jeden Abend den Fernseher an und schlief wie immer bei der ersten Werbung ein. Ich erwachte mit Muskelkater, quĂ€lte mich zur Toilette, warf einen Blick im Spiegel und erstarrte im Tageslicht. Die schwarze Wimpertusche hatte sich ĂŒbel verteilt. Um den Mund, verwischter Lippenstift und Zahnpastareste. Festklebendes Etwas in Medusa-Styling krönte mein Haupt.

In diesem Monsterlook hÀtte ich jeden Liebhaber von seinem
erotischen Traum hinauskatapultiert!

Ich wĂŒnsche Dir einen schönen 4. Advent, Manuela




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